Zahnspange für Kinder: Arten, Indikationen & Kosten

Informationen zu kieferorthopädischen Behandlungen, verschiedenen Zahnspangen-Systemen und der KIG-Klassifizierung für Kostenbeteiligung.

Ratgeber Evidenzbasiert
Geprüft von Dr. Thomas Schulze, Zahnarzt Aktualisiert 20.11.2024 Lesezeit 8 Min.

Was ist eine Zahnspange?

Eine Zahnspange ist ein kieferorthopädisches Behandlungsinstrument, das Zähne und Kiefer in die richtige Position bewegt. Sie wird verwendet, um Zahnfehlstellungen und Kieferanomalien zu korrigieren. Zahnspangen können fest am Zahn angebracht sein (feste Spangen) oder herausnehmbar sein. Eine zahnärztliche oder kieferorthopädische Untersuchung ist der erste Schritt, um festzustellen, ob eine Behandlung notwendig ist.

Arten von Zahnspangen

Zahnspangen-Art Beschreibung Sichtbarkeit Kosten
Festsitzende Zahnspange (Brackets) Metallplättchen auf den Zähnen, verbunden durch einen Draht. Standard-System. Sichtbar Kassenleistung (bei KIG 3+)
Zahnfarbene Brackets Ceramic oder Kunststoff-Brackets, weniger sichtbar als Metall. Weniger sichtbar Privatleistung (Zusatzkosten)
Linguale Zahnspange Brackets auf der Innenseite der Zähne. Vollständig unsichtbar von außen. Unsichtbar Privatleistung (höhere Kosten)
Aligner (z.B. Invisalign) Durchsichtige Kunststoff-Schienen, die regelmäßig gewechselt werden. Unsichtbar Privatleistung (höhere Kosten)
Herausnehmbare Spange Kunststoff-Zahnspange mit Schraube, wird nur nachts getragen. Nur für leichte Fälle. Nicht sichtbar (nachts) Kassenleistung (bei KIG 3+)

KIG-Klassifizierung und Kostenübernahme

In Deutschland werden kieferorthopädische Indikationen mit der KIG-Klassifizierung eingeteilt. Die Krankenkassen übernehmen nur Behandlungen ab KIG 3:

KIG-Grad Beschreibung Kassenleistung
KIG 1 Sehr leichte Zahnfehlstellung, funktionell unbedeutend Nein
KIG 2 Leichte Zahnfehlstellung, kosmetische oder funktionelle Beeinträchtigung Nein
KIG 3 Mittlere Zahnfehlstellung oder Kieferanomalie, funktionelle oder psychische Auswirkungen Ja (50% Kassenanteil)
KIG 4 Schwere Zahnfehlstellung oder Kieferanomalie, erhebliche funktionelle Beeinträchtigungen Ja (50% Kassenanteil)
KIG 5 Sehr schwere Zahnfehlstellung, oft mit chirurgischem Eingriff verbunden Ja (50% Kassenanteil)

Bei KIG 3–5 übernimmt die Krankenkasse etwa 50% der Kosten. Die genaue Leistung hängt von Ihrer Versicherung ab.

Der richtige Zeitpunkt für eine Zahnspange

Wann sollte mein Kind eine kieferorthopädische Untersuchung bekommen?

Eine erste Beurteilung ist ab dem 7.–8. Lebensjahr sinnvoll, wenn die permanenten Frontzähne durchgebrochen sind. Die aktive Behandlung beginnt meist im Alter von 10–13 Jahren, wenn der Zahnwechsel fortgeschritten ist. Manche Probleme können aber auch früher mit Mini-Implantaten oder frühen Apparaturen behandelt werden.

1

Alter 7–8 Jahre: Erste Beurteilung

Ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde prüft die Zahnentwicklung und mögliche Anomalien. Screening für KIG-Klassifizierung.

2

Alter 9–10 Jahre: Frühe Intervention (wenn nötig)

Einige Fälle profitieren von frühen Maßnahmen wie Platzhältern oder Dehnapparaturen zur Platzschaffung im Kiefer.

3

Alter 10–13 Jahre: Hauptbehandlung

Die meisten Kinder erhalten in dieser Phase ihre festsitzende Zahnspange. Der Zahnwechsel ist meist weit fortgeschritten.

Mundhygiene mit Zahnspange

Mit einer Zahnspange wird Mundhygiene wichtiger und anspruchsvoller:

Häufig gestellte Fragen

Zahnspangen verursachen in der Regel Zahnschmerzen oder ein Druckgefühl für 3–5 Tage nach dem Ankleben oder wenn der Draht gewechselt wird. Dies ist normal und lässt durch Paracetamol oder Ibuprofen meist schnell nach. Die Anpassung dauert wenige Tage.

Ja, Sport ist mit Zahnspange möglich. Bei Kontaktsportarten (Fußball, Eishockey) wird ein Sportschutzschild empfohlen, um die Zahnspange und die Zähne zu schützen. Das sollte vor Beginn des Sports angebracht werden.

Die durchschnittliche Behandlungsdauer beträgt 2–3 Jahre. Dies hängt stark vom Schweregrad der Fehlstellung, dem Alter des Kindes und der Compliance ab. Manche Fälle sind schneller, andere brauchen länger.

Nein, Erwachsene können auch Zahnspangen tragen. Die Behandlung dauert länger, da der Kiefer nicht mehr wächst. Dennoch sind kieferorthopädische Korrektionen im Erwachsenenalter möglich und heutzutage sehr verbreitet.

Zusammenfassung

  • Es gibt verschiedene Arten von Zahnspangen mit unterschiedlicher Sichtbarkeit und Kosten
  • Die KIG-Klassifizierung entscheidet über Kassenleistung
  • Krankenkassen übernehmen ab KIG 3 etwa 50% der Kosten
  • Der beste Zeitpunkt ist meist zwischen 10–13 Jahren
  • Erste Beurteilung sollte mit 7–8 Jahren erfolgen
  • Zahnpflege wird mit Spange wichtiger und anspruchsvoller
  • Die Behandlung dauert durchschnittlich 2–3 Jahre
Medizinischer Hinweis: Die Informationen ersetzen keine kieferorthopädische Beratung. Lassen Sie Ihr Kind von einem Kieferorthopäden untersuchen, um eine persönliche Diagnose zu erhalten.

Quellen & Literatur

  • Deutsche Kieferorthopädische Gesellschaft (DKG): Empfehlungen zu Zahnspangen
  • Bundeszahnärztekammer (BZÄK): Kieferorthopädische Behandlungen
  • Krankenkassen: KIG-Klassifizierung und Kostenübernahme
  • WHO: Guidelines on Oral Health for Children